Die Geschichte von Gardinen und Vorhängen

Geschichte Gardinen

Die Geschichte von Gardinen und Vorhängen reicht weit zurück: Seit jeher dienen Gardinen dazu, Wohnungen und Häuser vor fremden Einblicken zu schützen. Daneben kommen ihnen jedoch auch Funktionen wie der Schutz vor Helligkeit oder der Blendschutz zu.

Heutzutage werden Gardinen jedoch nicht einfach nur für praktische, sondern auch zu dekorativen Zwecken verwendet, so dass sie für Wohnlichkeit und Behaglichkeit sorgen. Vorhänge und Gardinen gibt es mittlerweile aus den verschiedensten Materialien und in zahlreichen Verarbeitungsvarianten. Bei der Auswahl der richtigen Gardinen und Vorhänge kommt es letztlich auf den individuellen Geschmack sowie auf die Frage, ob sie funktionale oder dekorative Zwecke erfüllen sollen, an.

Gardinen und Vorhänge – Was ist der Unterschied?

Die beiden Begriffe „Gardine” und „Vorhang” werden noch immer teils synonym verwendet. Letztendlich lassen sich Vorhänge und Gardinen jedoch aufgrund ihres Materials voneinander unterscheiden. Handelt es sich um ein eher leichtes, transparentes oder zumindest halbtransparentes Gewebe, welches vorrangig zur Produktion einer Fensterdekoration verwendet wird, spricht man von einer Gardine. Im Gegensatz dazu wird der Terminus Vorhang benutzt, wenn es sich um ein undurchsichtiges Gewebe handelt. Ein weiteres charakteristisches Differenzierungsmerkmal zwischen Gardinen und Vorhängen ist deren Länge: Während eine Gardine meist nur bis zur Fensterbank reicht, sind Vorhänge deutlich länger und reichen oft bis auf den Fußboden. Welche der beiden Alternativen die sinnvollere Variante ist, richtet sich nach dem geplanten Einsatzzweck in der Raumausstattung, denn dieser entscheidet über das zu verwendende Material, die Farbe, die Blickdichte und die Festigkeit des Stoffes sowie dessen Musterung oder Motiv.

Die Geschichte von Gardinen und Vorhängen

Ägypten
Bereits im alten Ägypten machte es die offene Säulenarchitektur gepaart mit der intensiven Sonneneinstrahlung notwendig, Vorhänge als Sonnenschutz zu entwickeln. Die damals noch nicht besonders effektiven Vorhänge wurden aus einfachem Gewebe hergestellt und meist ganzflächig mit traditionellen oder ornamentalen Lotusmustern dekoriert.

Griechenland
Im alten Griechenland wurden Vorhänge in der Regel zu dekorativen Zwecken verwendet. Zur damaligen Zeit entstand erstmals die visuelle Verbindung zwischen den Vorhangrändern mit einer Schabracke. Dabei waren die Stoffe mit einem relativ einfachen, mittig platzierten Muster versehen, wobei der untere Teil des Stoffes mit sehr komplexen, typischen rechtwinkligen geometrischen Formen besetzt war. Sowohl die Vorhänge als auch die Schabracke wurde in üppigen Strukturen gefaltet.

Rom
In Rom entstanden neue pompöse Dekorationselemente im Bereich der Vorhänge und Heimtextilien. Dabei wurde vor allem auf ausgefranste Enden der Vorhänge und Schabracken sowie auf Girlanden-Schabracken gesetzt. Daneben bildete sich ein freierer ornamentaler Stil heraus und Stoffe mit Blumenmotiven kamen auf.

Gotik
In der Zeit der Gotik nahm die Verwendung von Vorhängen aufgrund der einsetzenden Glasmalerei ab. Allerdings wurden Heimtextilien zum Abtrennen bestimmter Wohnbereiche im Inneren verwendet, um den Wärmeverlust zu reduzieren. Die typischen Vorhangfarben waren blau und rot, wobei die Gewebe häufig mit floralen Mustern mit Lilien, heraldischen Motiven sowie silber- oder goldfarbenen Kreisen und Quadraten verziert waren.

Renaissance
Im 15. Jahrhundert wurde die Schönheit der Schabracken wiederentdeckt. Dabei variierten die Gewebearten zwischen schweren und leichten Vorhangtypen, wobei bei letzteren Seide zum bevorzugten Material gehörte. Die Musterung der Stoffe wurde etwas einfacher, teils verzichtete man ganz auf selbige, so dass einfarbige Stoffe verwendet wurden. Als neue dekorative Elemente traten in dieser Epoche die senkrechten Bordüren in den mittleren Vorhangbereich sowie Halterungen und Quasten.

Barock
Zur Zeit des Barock wurden für die Vorhänge vor allem großflächige gewebte Muster verwendet, die ihren dekorativen Abschluss am oberen Ende mit Schienen, verzierten Griffen und Fransen fanden. Darüber hinaus waren Kombinationen aus reich verzierten Polstern und Schabracken in allen Formen und Farben in Mode.

Rokoko
Im Rokoko-Zeitalter wird die Lyoner Seide nicht nur zu einem Begriff, sondern zu einem festen Bestandteil in der Gardinen- und Vorhangherstellung. Dabei waren die Stoffe mit floralen Mustern versehen und kräuselten sich nach oben. Oftmals wurde am unteren Teil der Gardinen ein Faltensaum angesetzt.

Klassik
Auch in der Klassik kommt es in Bezug auf Gardinen und Vorhänge zur Wiedergeburt des antiken Schönheitsideals. Ihren Abschluss finden Vorhänge und Gardinen meist mit dekorativen Schienen am oberen Ende und sind oft mit frei gerafften, einfarbigen Polstern, Jalousien, klassischen Mustern, Pastellfarben und nach oben gefalteten Vorhängen versehen.

Romantik
Im Zeitalter der Romantik wurde die Gardinenstange mit Ringen zum Aufhängen der Vorhänge erfunden. Da in dieser Zeit Gewölbe Einzug in die Architektur hielten, wurden Schabracken nicht mehr verwendet. Vielmehr verbreiteten sich auffallende, genähte geometrische Muster auf der gesamten Stofffläche und auch die Verwendung von Klammern am Rand der Vorhänge, um sie dekorativ auseinanderziehen zu können, entwickelte sich.

Biedermeier
Vorherrschend zu dieser Zeit waren gefaltete Vorhänge und Gardinen in allen Farben und Arten.

Jugendstil
In der Epoche des Jugendstils wurden die Schienensysteme für Gardinen und Vorhänge bereits mit einer Schnur versehen, damit sie einfacher zu bedienen waren. Die Vorhänge und Gardinen selbst wurden mit Mustern gewebt und reichlich bestückt. Ein neues Element waren die typischen Schienengardinen für Cafés, deren obere Kante in der unteren Hälfte des Fensters abschloss.

Moderne
Während in Op-Art fantasievolle Formen, eine reiche Farbenvielfalt sowie diverse technische Details und Ergänzungen Einzug hielten, wurden Gardinen und Vorhänge in der Zeit des Modernismus eher einfach gehalten. Die moderne Zeit hielt schließlich neue Materialien und eine neue Sichtweise auf das Aussehen und die Funktion von Gardinen und Vorhängen sowie der Raumgestaltung im Allgemeinen bereit.

Aktueller Trend
Mit Gardinen und Vorhängen ist es ähnlich wie mit der Mode, sie unterliegen Trends. Dabei wechseln das Material der Stoffe ebenso wie die Länge und Farbe der Heimtextilien. Zu den neuesten Trends in Sachen Gardinen gehört die Verarbeitung von Materialien, durch die der Zyklus der Natur nachempfunden wird. So gibt es mittlerweile Gardinen, die morgens beginnen, sanft zu leuchten und auf diese Weise das Aufwachen deutlich angenehmer gestalten.

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